Psychotherapie bei Ängsten – eine psychoanalytische Perspektive

Angst gehört zum menschlichen Leben. Sie warnt uns vor Gefahren, hilft uns, aufmerksam zu werden und kann dazu beitragen, schwierige Situationen zu bewältigen.

Manchmal nimmt Angst jedoch einen Raum ein, der sich nicht mehr allein durch die gegenwärtige Situation erklären lässt. Vielleicht treten Sorgen immer wieder auf, bestimmte Situationen werden zunehmend vermieden oder eine anhaltende innere Unruhe begleitet den Alltag.

Manchmal ist auch gar nicht eindeutig, wovor man eigentlich Angst hat.

In einer psychoanalytisch orientierten Psychotherapie geht es deshalb nicht nur darum, Angst möglichst schnell zum Verschwinden zu bringen. Sie kann vielmehr gemeinsam betrachtet werden: Wann entsteht sie? Womit könnte sie verbunden sein? Und welche Bedeutung hat sie im persönlichen Erleben?

Angst hat viele Erscheinungsformen

Ängste können sehr unterschiedlich erlebt werden.

Manche Menschen erleben konkrete Ängste vor bestimmten Situationen. Andere berichten von einem dauernden Gefühl der Anspannung oder davon, ständig mit etwas Schlimmem zu rechnen.

Angst kann sich auch körperlich bemerkbar machen – etwa durch Herzklopfen, Engegefühl, Unruhe oder das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Bei manchen Menschen treten plötzlich sehr intensive Angstzustände oder Panik auf.

Auch Beziehungen können mit Ängsten verbunden sein. Nähe kann beispielsweise ebenso beunruhigend sein wie die Vorstellung von Zurückweisung oder Trennung.

Unter Ängsten und innerer Unruhe können deshalb sehr unterschiedliche Erfahrungen zusammenkommen.

Warum fühlt sich Angst manchmal stärker an, als die Situation erklären würde?

Eine Situation kann objektiv ungefährlich sein und dennoch intensive Angst auslösen.

Man weiß vielleicht rational, dass eine Präsentation, eine Begegnung oder eine bestimmte Entscheidung keine wirkliche Gefahr darstellt – und trotzdem reagiert man mit erheblicher Anspannung.

Aus psychoanalytischer Sicht kann es dann hilfreich sein, nicht nur die gegenwärtige Situation zu betrachten.

Aktuelle Erfahrungen können frühere Beziehungserfahrungen, Erwartungen oder innere Konflikte berühren, ohne dass dieser Zusammenhang unmittelbar bewusst ist.

Die Angst bezieht sich dann zwar scheinbar auf das, was gerade geschieht, ihre Intensität kann jedoch auch mit etwas verbunden sein, das über die konkrete Situation hinausgeht.

Angst als Signal

Schon in der Psychoanalyse wurde Angst nicht ausschließlich als Störung verstanden, sondern auch als ein mögliches Signal für einen inneren Konflikt.

Menschen können gleichzeitig unterschiedliche Wünsche, Bedürfnisse und Befürchtungen haben.

Man möchte beispielsweise Nähe und hat gleichzeitig Angst davor, abhängig zu werden. Man möchte sich behaupten und fürchtet zugleich, andere dadurch zu enttäuschen oder zurückzuweisen. Man möchte etwas verändern und erlebt gerade diese Veränderung als bedrohlich.

Solche Widersprüche müssen nicht bewusst erlebt werden.

Die Angst kann gewissermaßen dort auftauchen, wo etwas psychisch schwer miteinander vereinbar ist.

Das bedeutet nicht, dass hinter jeder Angst ein bestimmter verborgener Konflikt steckt. In der Psychotherapie geht es vielmehr darum, gemeinsam herauszufinden, welche Bedeutung die Angst für den jeweiligen Menschen tatsächlich hat.

Wenn Angst mit Beziehungen verbunden ist

Besonders deutlich können sich solche Dynamiken in Beziehungen zeigen.

Manche Menschen befürchten stark, verlassen oder zurückgewiesen zu werden. Andere empfinden Nähe schnell als einengend. Wieder andere versuchen Konflikte möglichst zu vermeiden, aus Sorge, eine Beziehung dadurch zu gefährden.

Dadurch können sich über längere Zeit bestimmte Beziehungsmuster wiederholen.

Die konkrete Angst kann sich verändern – die zugrunde liegende Erwartung bleibt jedoch möglicherweise ähnlich.

Psychotherapie bietet die Möglichkeit, solche Zusammenhänge genauer wahrzunehmen.

Angst, Selbstwert und hohe Ansprüche

Ängste können auch eng mit dem eigenen Selbstwert verbunden sein.

Wer beispielsweise einen hohen Anspruch an sich selbst hat, kann Fehler oder Kritik besonders bedrohlich erleben. Hinter der Angst zu versagen kann dann die Befürchtung stehen, den Erwartungen anderer oder den eigenen inneren Maßstäben nicht zu entsprechen.

Auch die Vorstellung, negativ beurteilt oder nicht akzeptiert zu werden, kann erheblichen Druck erzeugen.

Hier können Selbstwert und Selbstzweifel eine wichtige Rolle spielen.

Oft geht es dabei nicht darum, ob diese Befürchtungen rational gerechtfertigt sind. Entscheidend ist vielmehr, wie selbstverständlich und überzeugend sie sich innerlich anfühlen.

Warum reicht es nicht immer, seine Angst zu verstehen?

Viele Menschen können sehr genau erklären, dass ihre Angst eigentlich unverhältnismäßig ist.

Und trotzdem bleibt sie bestehen.

Das liegt unter anderem daran, dass psychische Muster nicht ausschließlich auf der Ebene bewusster Gedanken entstehen. Sie sind häufig mit Gefühlen, Beziehungserfahrungen und tief verankerten Erwartungen verbunden.

Deshalb kann die Erkenntnis „Eigentlich müsste ich davor keine Angst haben“ zwar wichtig sein – sie führt aber nicht automatisch dazu, dass sich das Erleben verändert.

Das ist eng mit der Frage verbunden, warum Veränderung schwierig sein kann, obwohl man sein Problem versteht.

Wie kann psychoanalytisch orientierte Psychotherapie bei Ängsten helfen?

Zu Beginn steht zunächst die Frage, wie sich die Angst bei Ihnen konkret zeigt.

Gemeinsam können wir beispielsweise betrachten,

  • in welchen Situationen Angst entsteht,

  • welche Gedanken und Vorstellungen damit verbunden sind,

  • welche Situationen vermieden werden,

  • welche Beziehungserfahrungen eine Rolle spielen könnten und

  • welche wiederkehrenden inneren Konflikte oder Erwartungen sichtbar werden.

Dabei entsteht das Verständnis nicht durch eine vorgefertigte Erklärung.

Vielmehr entwickelt es sich im gemeinsamen Gespräch nach und nach aus dem, was Sie erleben, erzählen und möglicherweise auch zunächst nur schwer in Worte fassen können.

Im Verlauf einer Psychotherapie können dadurch Zusammenhänge verständlicher werden, die zuvor nur als Angst, Anspannung oder schwer erklärbares Unbehagen erlebt wurden.

Ziel ist dabei nicht, ein Leben völlig ohne Angst zu führen. Angst gehört zum menschlichen Erleben.

Veränderung kann vielmehr darin bestehen, Ängste besser einordnen zu können, ihnen weniger ausgeliefert zu sein und zunehmend mehr Handlungsspielraum zu gewinnen.

Psychotherapie bei Ängsten in 1130 Wien

Wenn Ängste, Sorgen oder innere Unruhe Ihren Alltag zunehmend bestimmen oder Sie merken, dass bestimmte Situationen immer stärker eingeschränkt oder vermieden werden, kann Psychotherapie einen Raum bieten, diese Erfahrungen genauer zu betrachten.

In meiner Praxis für Psychotherapie und Psychoanalyse in 1130 Wien-Hietzing arbeite ich mit Erwachsenen und Jugendlichen psychoanalytisch orientiert.

In einem Erstgespräch können wir zunächst gemeinsam besprechen, was Sie beschäftigt und ob mein therapeutischer Zugang für Ihr Anliegen passend sein könnte.

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Selbstwert und Selbstzweifel – was kann dahinterliegen?