Warum ist Veränderung schwierig, obwohl man sein Problem versteht?

Manchmal wissen wir erstaunlich genau, was uns Schwierigkeiten bereitet. Wir erkennen, dass wir in Beziehungen immer wieder ähnlich reagieren, dass wir uns zu viel abverlangen oder dass bestimmte Situationen zuverlässig Ängste, Rückzug oder Selbstzweifel auslösen.

Und trotzdem verändert sich wenig.

Das kann irritierend sein: Wenn ich verstanden habe, was mein Problem ist – warum gelingt es mir dann nicht einfach, anders zu handeln?

Aus psychoanalytischer Perspektive liegt eine mögliche Antwort darin, dass menschliches Erleben nicht ausschließlich durch bewusstes Wissen bestimmt wird. Auch unbewusste Erfahrungen, Erwartungen, Konflikte und Beziehungsmuster können beeinflussen, wie wir fühlen und handeln.

Verstehen ist nicht dasselbe wie Veränderung

Ein Problem intellektuell zu erkennen, kann ein wichtiger erster Schritt sein. Es bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sich auch die damit verbundenen Gefühle oder Reaktionen verändern.

Ein Mensch kann beispielsweise wissen: „Ich muss nicht immer alles perfekt machen.“

Und dennoch starke Unruhe erleben, sobald etwas nicht seinen eigenen Ansprüchen entspricht.

Oder jemand versteht: „Mein Partner will mich nicht verlassen, nur weil wir unterschiedlicher Meinung sind.“

Trotzdem kann ein Konflikt intensive Verlustangst oder den Wunsch auslösen, sich zurückzuziehen.

Das bewusste Wissen und das emotionale Erleben können also nebeneinander bestehen.

Die psychoanalytisch orientierte Psychotherapie beschäftigt sich deshalb nicht nur mit der Frage, was ein Mensch über sich weiß, sondern auch damit, wie bestimmte Gefühle, Erwartungen und Reaktionen entstanden sind und weshalb sie weiterhin wirksam bleiben.

Warum halten wir an Mustern fest, die uns belasten?

Viele Verhaltensweisen, die heute problematisch erscheinen, können ursprünglich eine verständliche Funktion gehabt haben.

Wer beispielsweise früh gelernt hat, Konflikte möglichst zu vermeiden, konnte damit vielleicht Beziehungen sichern oder Spannungen reduzieren. Wer sehr hohe Ansprüche an sich stellt, konnte dadurch Anerkennung gewinnen oder ein Gefühl von Sicherheit entwickeln. Hohe innere Ansprüche können dabei auch eng mit Selbstwert und Selbstzweifeln verbunden sein.

Solche Muster werden nicht bewusst geplant. Sie können sich im Laufe der eigenen Lebensgeschichte entwickeln und irgendwann so selbstverständlich werden, dass andere Möglichkeiten kaum vorstellbar erscheinen.

Deshalb lässt sich ein Muster oft nicht einfach dadurch auflösen, dass man erkennt, dass es heute nicht mehr hilfreich ist.

Es hat möglicherweise über lange Zeit eine wichtige innere Funktion erfüllt.

Das Unbewusste lässt sich nicht einfach „wegwissen“

Ein zentraler Gedanke der Psychoanalyse ist, dass wir uns selbst nicht vollständig durchschaubar sind.

Wir können Gründe für unser Verhalten nennen und dennoch feststellen, dass wir in bestimmten Situationen anders reagieren, als wir es eigentlich möchten.

Gerade dort können Fragen interessant werden wie:

  • Warum trifft mich diese Situation so stark?

  • Warum fällt mir eine bestimmte Entscheidung immer wieder schwer?

  • Warum entstehen ähnliche Konflikte in unterschiedlichen Beziehungen?

  • Warum weiß ich eigentlich, was ich tun möchte, kann es aber dennoch nicht tun?

Dabei geht es nicht darum, hinter jedem Verhalten eine einzelne verborgene Ursache zu finden. Vielmehr kann im Laufe einer Therapie ein differenzierteres Verständnis dafür entstehen, welche Erfahrungen, Wünsche, Ängste und inneren Konflikte miteinander verbunden sind.

Veränderung kann auch Angst machen

Veränderung bedeutet nicht nur, etwas Belastendes hinter sich zu lassen. Sie kann auch bedeuten, etwas Vertrautes aufzugeben.

Selbst problematische Muster geben unserem Erleben eine gewisse Vorhersehbarkeit.

Wer beispielsweise gewohnt ist, die Bedürfnisse anderer vor die eigenen zu stellen, müsste bei einer Veränderung möglicherweise lernen, Grenzen zu setzen. Das kann gleichzeitig erwünscht und unangenehm sein.

Wer sich stark über Leistung definiert, könnte sich wünschen, weniger unter Druck zu stehen – und zugleich die Frage erleben, wer er ohne diesen Leistungsanspruch eigentlich wäre.

Solche Ambivalenzen sind kein Widerspruch.

Ein Teil von uns kann Veränderung wünschen, während ein anderer Teil gute Gründe dafür hat, am Bekannten festzuhalten.

Warum wiederholen sich bestimmte Erfahrungen?

Besonders sichtbar wird dies häufig in Beziehungen.

Manchmal entstehen mit unterschiedlichen Menschen ähnliche Konflikte. Vielleicht entsteht immer wieder das Gefühl, nicht ausreichend gesehen zu werden, sich zu stark anpassen zu müssen oder keine wirkliche Nähe zulassen zu können.

Solche Wiederholungen können Hinweise auf tieferliegende Beziehungserwartungen geben.

Mehr dazu habe ich im Beitrag „Warum wiederholen sich Beziehungsmuster?“ beschrieben.

Auch auf meiner Seite zu Beziehungskonflikten, Selbstzweifeln und wiederkehrenden Mustern finden Sie weitere mögliche Themen einer Psychotherapie.

Wie kann Psychotherapie Veränderung ermöglichen?

Psychoanalytische Psychotherapie versucht Veränderung nicht einfach durch Ratschläge oder neue Verhaltensregeln herzustellen.

Im Mittelpunkt steht zunächst das gemeinsame Verstehen.

Was beschäftigt Sie? Welche Situationen lösen bestimmte Gefühle aus? Welche Erwartungen haben Sie an andere Menschen und an sich selbst? Welche Widersprüche zeigen sich?

Dabei kann auch die therapeutische Beziehung selbst interessant werden. Manche Erwartungen, Unsicherheiten oder Beziehungsmuster können sich im Laufe einer Therapie auch dort zeigen und dadurch gemeinsam betrachtet werden.

So kann nach und nach etwas entstehen, das über ein rein intellektuelles Verständnis hinausgeht.

Ein Muster wird nicht nur erkannt, sondern auch emotional nachvollziehbarer.

Veränderung braucht manchmal Zeit

Gerade bei Mustern, die sich über viele Jahre entwickelt haben, ist es nachvollziehbar, dass Veränderung nicht innerhalb weniger Gespräche stattfinden muss.

Psychoanalytische Arbeit gibt solchen Prozessen bewusst Raum.

Das bedeutet nicht, dass Veränderung möglichst langsam erfolgen soll. Es bedeutet vielmehr, dass manche Entwicklungen nicht sinnvoll erzwungen werden können.

Manchmal besteht Veränderung zunächst darin, eine eigene Reaktion früher wahrzunehmen. Später entsteht vielleicht die Möglichkeit, anders mit ihr umzugehen.

Der eigene Handlungsspielraum kann dadurch nach und nach größer werden.

Psychotherapie in 1130 Wien

In meiner Praxis in Wien-Hietzing arbeite ich psychoanalytisch orientiert mit Erwachsenen und Jugendlichen.

Dabei interessiert mich insbesondere, wie gegenwärtige Schwierigkeiten mit Erfahrungen, Beziehungen, inneren Konflikten und wiederkehrenden Mustern zusammenhängen können.

Sie müssen dabei nicht bereits wissen, was hinter Ihrer Belastung steckt oder welches Ziel eine Psychotherapie haben soll.

In einem Erstgespräch können wir gemeinsam besprechen, was Sie beschäftigt und ob mein psychoanalytischer Zugang für Ihr Anliegen passend sein könnte.

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Selbstwert und Selbstzweifel – was kann dahinterliegen?

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Depression, Erschöpfung und Überforderung – wenn das Funktionieren zu viel wird