Depression, Erschöpfung und Überforderung – wenn das Funktionieren zu viel wird

Es gibt Zeiten, in denen vieles anstrengender wird als früher. Aufgaben kosten plötzlich mehr Kraft, Freude und Interesse nehmen ab oder der Alltag fühlt sich zunehmend wie etwas an, das nur noch bewältigt werden muss.

Manche Menschen fühlen sich niedergeschlagen oder innerlich leer. Andere funktionieren nach außen weiterhin gut und bemerken vor allem zunehmende Erschöpfung, Gereiztheit oder das Gefühl, den eigenen Anforderungen nicht mehr gerecht zu werden.

Gerade dann stellt sich häufig die Frage: Ist das einfach zu viel Stress – oder steckt mehr dahinter?

In einer psychoanalytisch orientierten Psychotherapie kann gemeinsam betrachtet werden, welche Bedeutung Erschöpfung, depressive Gefühle oder Überforderung im eigenen Leben haben und mit welchen inneren Konflikten, Beziehungserfahrungen oder Erwartungen sie verbunden sein könnten.

Wenn Erschöpfung mehr ist als Müdigkeit

Nach einer anstrengenden Zeit kann Erholung normalerweise helfen, wieder zu Kräften zu kommen. Psychische Erschöpfung kann sich anders anfühlen.

Man schläft vielleicht ausreichend und fühlt sich trotzdem erschöpft. Kleine Aufgaben erscheinen unverhältnismäßig anstrengend. Dinge, die früher Freude gemacht haben, verlieren an Bedeutung.

Besonders verunsichernd kann dies für Menschen sein, die lange daran gewöhnt waren, zu funktionieren und leistungsfähig zu sein.

Wie können sich depressive Belastungen zeigen?

Depressive Belastungen können sehr unterschiedlich erlebt werden. Dazu können unter anderem Niedergeschlagenheit, innere Leere, Antriebslosigkeit, Rückzug, starke Selbstkritik, Verlust von Freude sowie Schlaf- oder Konzentrationsprobleme gehören.

Nicht immer steht Traurigkeit im Vordergrund. Manche Menschen erleben eher eine Abwesenheit von Gefühlen oder funktionieren im Alltag weiterhin, während sie sich innerlich zunehmend erschöpft fühlen.

Deshalb lässt sich von außen nicht immer erkennen, wie belastend eine Situation tatsächlich ist.

Hohe Ansprüche und das Gefühl, funktionieren zu müssen

Menschen, die viel Verantwortung übernehmen oder hohe Erwartungen an sich selbst stellen, können lange über ihre Grenzen hinausgehen.

Vielleicht gilt es als selbstverständlich, verlässlich zu sein, Leistung zu bringen, Schwierigkeiten selbst zu lösen und andere nicht zu enttäuschen.

Was grundsätzlich eine Stärke sein kann, kann unter bestimmten Bedingungen belastend werden. Eigene Bedürfnisse oder Erschöpfung bekommen dann möglicherweise erst Aufmerksamkeit, wenn sie sich nicht mehr ignorieren lassen.

Das kann eng mit Fragen von Selbstwert und Selbstzweifeln verbunden sein.

Wenn das eigene Wertgefühl stark davon abhängt, leistungsfähig oder erfolgreich zu sein, kann Erschöpfung nicht nur belastend sein. Sie kann zugleich das eigene Selbstbild infrage stellen.

Warum hilft es nicht immer, einfach weniger zu machen?

Viele Menschen wissen bereits, dass sie weniger arbeiten, mehr Pausen machen oder freundlicher mit sich selbst umgehen sollten.

Und trotzdem verändert sich wenig.

Das liegt auch daran, dass innere Ansprüche nicht nur bewusste Entscheidungen sind. Sie können tief mit dem eigenen Selbstbild und bisherigen Erfahrungen verbunden sein.

Zu wissen, was eigentlich hilfreich wäre, bedeutet deshalb nicht automatisch, dass man es innerlich auch zulassen kann. Damit verbindet sich die Frage, warum Veränderung schwierig sein kann, obwohl man sein Problem versteht.

Was kann eine psychoanalytische Perspektive beitragen?

Aus psychoanalytischer Sicht geht es nicht nur darum, wie Beschwerden möglichst schnell verschwinden können. Ebenso relevant ist die Frage: Warum entsteht gerade jetzt diese Form der Belastung?

Depressive Zustände und Erschöpfung können sehr unterschiedliche Hintergründe haben. Eine Rolle spielen können beispielsweise Verluste, Enttäuschungen, hohe innere Ansprüche, Konflikte zwischen eigenen Wünschen und den Erwartungen anderer oder schwierige Beziehungserfahrungen.

Auch Gefühle wie Ärger oder Enttäuschung können bedeutsam sein, insbesondere wenn es schwerfällt, sie wahrzunehmen oder auszudrücken.

Dabei geht es nicht darum, vorschnell eine Ursache zu finden. Vielmehr kann sich nach und nach zeigen, welche persönliche Bedeutung die Belastung hat.

Depression und Selbstkritik

Viele Menschen reagieren auf Erschöpfung zusätzlich mit Selbstkritik:

  • Andere schaffen das doch auch.

  • Eigentlich habe ich keinen Grund, mich so zu fühlen.

  • Ich müsste mich einfach mehr zusammenreißen.

Dadurch entsteht neben der eigentlichen Belastung noch die Abwertung des eigenen Erlebens.

Gerade hier kann es hilfreich sein zu betrachten, woher solche inneren Maßstäbe stammen und warum sie so selbstverständlich wirken.

Welche Rolle spielen Beziehungen?

Auch Beziehungen können mit depressiven Belastungen verbunden sein.

Vielleicht fällt es schwer, Bedürfnisse zu äußern oder Grenzen zu setzen. Vielleicht besteht eine starke Sorge, andere zu enttäuschen. Oder man übernimmt immer wieder Verantwortung und merkt erst spät, wie wenig Raum für die eigenen Bedürfnisse bleibt.

Solche Dynamiken können sich über verschiedene Beziehungen hinweg wiederholen. Mehr dazu beschreibe ich im Beitrag Warum wiederholen sich Beziehungsmuster?.

Rückzug als Schutz

Bei Erschöpfung und Depression ziehen sich manche Menschen zunehmend zurück.

Dieser Rückzug kann kurzfristig eine Schutzfunktion haben – etwa vor weiteren Anforderungen, Konflikten oder der Erfahrung, nicht zu genügen.

Langfristig können dadurch jedoch Kontakte und Erfahrungen verloren gehen, die ansonsten Halt oder Freude vermitteln.

Auch hier ist zunächst entscheidend zu verstehen, welche Funktion das Verhalten für den jeweiligen Menschen hat.

Erschöpfung, Angst und Überforderung

Depressive Belastungen und Ängste überschneiden sich häufig.

Wer sich zunehmend überfordert fühlt, kann beginnen, Situationen zu vermeiden oder sich ständig Sorgen darüber zu machen, den eigenen Anforderungen nicht mehr gerecht zu werden. Umgekehrt kann dauerhafte Anspannung stark erschöpfend sein.

Mehr dazu finden Sie im Beitrag Psychotherapie bei Ängsten – eine psychoanalytische Perspektive.

Wie kann Psychotherapie helfen?

Zu Beginn steht das gemeinsame Verstehen der aktuellen Situation.

Was belastet Sie? Wann hat sich etwas verändert? Welche Erwartungen stellen Sie an sich selbst? Und was passiert, wenn Sie diesen Erwartungen einmal nicht entsprechen können?

In einer psychoanalytisch orientierten Psychotherapie können nach und nach Zusammenhänge zwischen aktuellen Beschwerden, inneren Konflikten und bisherigen Erfahrungen sichtbar werden.

Manchmal kann Veränderung gerade darin bestehen, den eigenen Umgang mit Leistung, Verantwortung und Bedürfnissen genauer zu betrachten.

Nicht jede Belastung lässt sich dadurch lösen, dass man sich noch mehr bemüht.

Psychotherapie bei Depression und Erschöpfung in 1130 Wien

Wenn Niedergeschlagenheit, Erschöpfung, innere Leere oder Überforderung zunehmend Ihr Leben bestimmen, kann Psychotherapie einen Raum bieten, diese Erfahrungen genauer zu betrachten.

In meiner Praxis für Psychotherapie und Psychoanalyse in 1130 Wien-Hietzing begleite ich Erwachsene und Jugendliche mit unterschiedlichen psychischen Belastungen.

Im Erstgespräch können wir gemeinsam besprechen, was Sie beschäftigt und ob eine psychoanalytisch orientierte Psychotherapie für Ihr Anliegen passend sein könnte.

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Warum ist Veränderung schwierig, obwohl man sein Problem versteht?