Warum wiederholen sich Beziehungsmuster?

Vielleicht kennen Sie das Gefühl, in Beziehungen immer wieder an einen ähnlichen Punkt zu kommen. Lebenssituationen verändern sich, selbst die Partner sind andere – und trotzdem entstehen vergleichbare Konflikte, Enttäuschungen oder Unsicherheiten.

Manche Menschen erleben beispielsweise immer wieder, dass sie sich stark nach Nähe sehnen und gleichzeitig zurückziehen, sobald eine Beziehung verbindlicher wird. Andere geraten häufig in Beziehungen, in denen sie sich nicht ausreichend gesehen fühlen. Wieder andere übernehmen viel Verantwortung, passen sich stark an oder haben Schwierigkeiten, eigene Bedürfnisse und Grenzen zu vertreten.

Solche Wiederholungen sind nicht unbedingt Zufall. Aus psychoanalytischer Sicht können sie damit zusammenhängen, dass frühere Beziehungserfahrungen unsere Erwartungen an andere Menschen und an uns selbst prägen – teilweise ohne dass uns diese Erwartungen bewusst sind.

In einer psychoanalytisch orientierten Psychotherapie kann es darum gehen, solche Muster genauer wahrzunehmen und zu verstehen.

Was sind Beziehungsmuster?

Im Laufe unseres Lebens entwickeln wir Vorstellungen darüber, wie Beziehungen funktionieren. Wir machen Erfahrungen damit, wie andere Menschen auf unsere Bedürfnisse reagieren, wie Nähe und Distanz erlebt werden, was wir von anderen erwarten können und welche Erwartungen an uns selbst gestellt werden.

Daraus können sich innere Annahmen entwickeln, etwa:

  • „Ich muss mich anpassen, damit eine Beziehung bestehen bleibt.“

  • „Wenn ich jemanden wirklich brauche, werde ich enttäuscht.“

  • „Ich darf nicht zu viel verlangen.“

  • „Wenn mir jemand zu nahekommt, verliere ich meine Freiheit.“

  • „Ich muss stark sein und darf mich nicht abhängig machen.“

Solche Vorstellungen müssen nicht bewusst formuliert sein. Häufig zeigen sie sich eher darin, wie wir Beziehungen erleben, welche Menschen uns besonders anziehen, worauf wir empfindlich reagieren oder welche Konflikte immer wieder entstehen.

Ein Beziehungsmuster ist deshalb weniger eine feste Eigenschaft als eine Art wiederkehrende Beziehungserfahrung.

Warum fühlt sich Vertrautes manchmal sicherer an als Neues?

Menschen suchen nicht ausschließlich nach dem, was angenehm ist. Wir orientieren uns häufig auch an dem, was uns vertraut ist.

Eine bestimmte Form von Nähe, Distanz oder Konflikt kann sich deshalb vertraut anfühlen, selbst wenn sie belastend ist. Frühere Erfahrungen können dazu beitragen, dass wir bestimmte Situationen besonders schnell wahrnehmen oder auf sie besonders stark reagieren.

Wer beispielsweise früh gelernt hat, sehr aufmerksam auf die Bedürfnisse anderer zu achten, kann auch später schnell Verantwortung für die Stimmung in einer Beziehung übernehmen. Wer Nähe als unsicher erlebt hat, kann möglicherweise gleichzeitig eine starke Sehnsucht nach Bindung und ein Bedürfnis nach Distanz entwickeln.

Das bedeutet nicht, dass gegenwärtige Beziehungen lediglich Wiederholungen der Kindheit wären. Beziehungen entstehen immer zwischen zwei konkreten Menschen. Frühere Erfahrungen können jedoch beeinflussen, was wir erwarten, wahrnehmen und wie wir aufeinander reagieren.

Warum entstehen ähnliche Beziehungskonflikte immer wieder?

Ein Muster entsteht häufig im Zusammenspiel mehrerer Faktoren.

Unsere Erwartungen beeinflussen beispielsweise, worauf wir besonders achten. Gleichzeitig beeinflusst unser eigenes Verhalten, wie andere Menschen auf uns reagieren. Dadurch können Situationen entstehen, die unsere ursprünglichen Erwartungen wiederum bestätigen.

Ein einfaches Beispiel: Jemand befürchtet, verlassen zu werden und sucht deshalb sehr häufig nach Bestätigung. Der andere erlebt dies möglicherweise als Druck und zieht sich stärker zurück. Dieser Rückzug verstärkt wiederum die ursprüngliche Angst.

Für beide Personen kann schließlich der Eindruck entstehen, dass genau das eingetreten ist, wovor sie sich von Beginn an gefürchtet haben.

Solche Dynamiken sind von außen manchmal leichter zu erkennen als von innen. Während man sich mitten in einer Beziehung befindet, wirken die eigenen Gefühle und Reaktionen oft vollkommen nachvollziehbar.

Gerade Beziehungskonflikte und wiederkehrende Muster können daher ein Anlass sein, Psychotherapie zu beginnen.

Warum reicht es oft nicht, ein Muster zu erkennen?

Manchmal verstehen Menschen ihre eigenen Muster bereits sehr gut.

Sie wissen beispielsweise: „Ich suche immer wieder Partner, die emotional schwer erreichbar sind.“ Oder: „Ich passe mich in Beziehungen zu stark an.“ Trotzdem verändert sich das Verhalten nicht automatisch.

Das liegt unter anderem daran, dass Beziehungsmuster nicht nur aus Gedanken bestehen. Sie sind mit Gefühlen, Erwartungen, Ängsten und Beziehungserfahrungen verbunden.

Man kann deshalb intellektuell verstehen, dass eine bestimmte Reaktion nicht notwendig wäre – und sie in einer konkreten Situation trotzdem wieder erleben.

Genau hier liegt ein wichtiger Unterschied zwischen dem bloßen Wissen über ein Problem und einer tiefergehenden Veränderung des eigenen Erlebens.

Welche Rolle spielen unbewusste Prozesse?

Die Psychoanalyse geht davon aus, dass unser Erleben nicht vollständig bewusst und durchschaubar ist.

Wir können wissen, was wir wollen, und gleichzeitig feststellen, dass wir wiederholt anders handeln. Wir können uns Nähe wünschen und gleichzeitig Situationen herstellen, die Nähe erschweren. Oder wir möchten Konflikte vermeiden und geraten dennoch immer wieder in Beziehungen, in denen Konflikte eine große Rolle spielen.

Der Begriff „unbewusst“ bedeutet dabei nicht, dass irgendwo eine verborgene Erklärung gefunden werden muss. Vielmehr geht es darum, aufmerksam für Zusammenhänge zu werden, die zunächst nicht unmittelbar sichtbar sind.

Interessant können dabei gerade Widersprüche sein: zwischen dem, was jemand bewusst möchte, und dem, was sich im eigenen Erleben oder in Beziehungen tatsächlich wiederholt.

Wie arbeitet psychoanalytisch orientierte Psychotherapie mit Beziehungsmustern?

In einer psychoanalytisch orientierten Psychotherapie geht es zunächst nicht darum, Ihnen zu erklären, welches Beziehungsmuster Sie haben oder wie Sie sich stattdessen verhalten sollten.

Vielmehr versuchen wir gemeinsam zu verstehen, wie Sie Beziehungen erleben.

Dabei können konkrete Partnerschaften ebenso Thema sein wie frühere Beziehungserfahrungen, Familie, Freundschaften oder andere wichtige Beziehungen.

Auch das, was im therapeutischen Gespräch selbst entsteht, kann interessant werden: Welche Erwartungen tauchen auf? Was fällt leicht auszusprechen und was schwer? Wann entsteht beispielsweise das Gefühl, beurteilt, missverstanden, zurückgewiesen oder besonders verstanden zu werden?

Auf diese Weise können Beziehungsmuster nicht nur abstrakt beschrieben, sondern im eigenen Erleben genauer nachvollziehbar werden.

Veränderung entsteht dabei häufig nicht durch einen einzelnen Ratschlag oder eine bestimmte Erkenntnis. Sie kann sich nach und nach daraus entwickeln, dass das eigene Erleben differenzierter verstanden wird und dadurch neue Möglichkeiten entstehen, mit Nähe, Distanz, Konflikten und eigenen Bedürfnissen umzugehen.

Muss man dafür immer die eigene Kindheit analysieren?

Nicht jedes gegenwärtige Problem muss auf ein bestimmtes Ereignis in der Vergangenheit zurückgeführt werden.

Frühere Erfahrungen können wichtig sein, weil sie dazu beitragen, wie wir Beziehungen heute erleben. Im Mittelpunkt steht jedoch immer auch die gegenwärtige Lebenssituation.

Manchmal wird eine Verbindung zu früheren Erfahrungen deutlich. Manchmal ist vielmehr entscheidend, genauer zu verstehen, was heute in einer Beziehung geschieht.

Psychoanalytische Arbeit bedeutet deshalb nicht, für jedes Problem eine Ursache in der Vergangenheit zu suchen. Interessanter ist die Frage, welche Zusammenhänge sich im individuellen Erleben tatsächlich zeigen.

Wann kann Psychotherapie bei Beziehungsmustern sinnvoll sein?

Ein einzelner Konflikt oder eine schwierige Beziehung bedeutet nicht automatisch, dass Psychotherapie notwendig ist.

Ein Anlass kann jedoch entstehen, wenn Sie feststellen, dass bestimmte Erfahrungen immer wiederkehren und Sie darunter leiden.

Vielleicht geraten Sie wiederholt in ähnliche Beziehungskonflikte. Vielleicht fällt es Ihnen schwer, Nähe zuzulassen oder Grenzen zu setzen. Vielleicht stellen Sie Ihre eigenen Bedürfnisse häufig zurück oder erleben starke Verlustängste, Eifersucht oder Unsicherheit.

Manchmal lässt sich das Problem aber auch gar nicht so genau benennen. Es reicht zunächst die Wahrnehmung: „Irgendetwas wiederholt sich, und ich möchte besser verstehen, warum.“

Beziehungsmuster verstehen – Psychotherapie in 1130 Wien

In meiner Praxis in 1130 Wien-Hietzing arbeite ich psychoanalytisch orientiert mit Erwachsenen und Jugendlichen. Dabei steht für mich zunächst das Verstehen im Vordergrund – nicht die vorschnelle Erklärung oder Veränderung.

Wenn Sie feststellen, dass sich bestimmte Beziehungserfahrungen oder Konflikte in Ihrem Leben wiederholen, können wir in einem ersten Gespräch gemeinsam überlegen, ob eine psychoanalytisch orientierte Psychotherapie für Ihr Anliegen passend sein könnte.

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Psychotherapie bei Ängsten – eine psychoanalytische Perspektive